Sinnesreize : Was Topfschlagen mit Trainingsoptimierung zu tun hat

Die Trainingswissenschaft sagt uns, dass eine Bewegung besser wird, je öfter wir sie durchführen und Bewegungsvariation der gleichen Bewegung die Bewegung auf Dauer besser macht. Aber warum ist das so? Und was hat das mit der Schulung von Sinnesreizen zu tun?

In einer Welt wo wir mit visuellen Reizen todgeschlagen werden, ist es schlau die anderen vorhandenen Sinnesreize zu schulen und sich so besser durch den Alltag zu bewegen. Wir können damit auch unser Training erfolgreicher gestalten.

Als Kinder haben wir das spielerisch auf Kindergeburtstagen erfahren mit dem Topfschlagen. Uns wurden die Augen verbunden, wir wurden ein paarmal im Kreis gedreht und dann dürften wir mit einem Kochlöffel in der Hand einen Topf mit einer Belohnung finden.

Beim Topfschlagen wird die visuelle Wahrnehmung ausgeschaltet. Das heißt man hat keine Informationen mehr über die Beschaffenheit des Raums und muss sich auf andere Wahrnehmungssinne verlassen um die Belohnung abzustauben.

Beim Topfschlagen sind es vor allem die auditive Wahrnehmung (die anderen Kinder geben dem Suchenden Kind durch das rufen von „heiß“ oder „kalt“ zu verstehen wo es sich im Raum bzw. im Verhältnis zum Topf mit der Belohnung befindet), die vestibuläre Wahrnehmung (Gleichgewicht – wo befinde ich mich im Raum) und die kinästhetische Wahrnehmung (Wahrnehmung der eigenen Bewegung im Raum ohne Sehen).

Ähnlich ist es bei Star Wars. Eingefleischte Star Wars Fans kennen sicher die Szene wo Obiwnakenobi Luke die Augen verbindet und er sich gegen eine kleine Drohne mit seinem Laserschwert zur Wehr setzen muss. Obiwan sagt ihm: „Fühle die Macht junger Padawan“.

Ich wollte die Macht auch fühlen und habe einen Selbstversuch mit einem Turkish Get up gestartet, bei dem ich mir die Augen verbunden habe. Man kann es aber auch mit jeder anderen Bewegung ausprobieren und ohne externe Gewichte. Selbst blind auf einem Bein stehen zu bleiben, ist schon eine sehr gute Übung.

Es ist schon eine sehr krasse Erfahrung, wenn man plötzlich ohne visuelle Reize der Umwelt auskommen muss.

So kann man also seine vestibuläre Wahrnehmung (Gleichgewicht) stimulieren, als auch vor allem deine kinästhetische Wahrnehmung. Mit deiner kinästhetischen Wahrnehmung schult man die Wahrnehmung der Bewegung und der Lage des eigenen Körpers im Raum, durch das Realisieren von Reizen die im Körperinneren und nicht in der Umwelt entstehen. Solche Reize nennt man übrigens, für alle die es genau wissen wollen, propriorezeptive (proprius = eigene) Reize. Die kinästhetische Wahrnehmung gibt uns somit Aufschluss über die Stellung der Körperglieder zueinander, Muskelkoordination, sowie den Spannungsgrad der Muskulatur und damit jede Art von Bewegung.

Kinästhetische Erfahrungen tragen so zur Entwicklung und Optimierung von genaueren Bewegungsvorstellungen bei und unterstützen das sogenannte Bewegungsgedächtnis.

Das Bewegungsgedächtnis hilft uns dabei Bewegung besser auszuführen. Je öfter eine Bewegung angesteuert wird und je verschiedener die Bewegung angesteuert wird, sei es durch Übungsvariation, oder durch gezielte Schulung der Sinnesreize desto besser wird diese Bewegung qualitativ werden.

Fazit:

Was uns als Kinder durch Topfschlagen spielerisch beigebracht wurde kann auch heute nach wie vor unsere Lebensqualität und Trainingsqualität verbessern.

Je besser die kinästhetische Wahrnehmung, desto besser das Bewegungsgedächtnis und damit die Bewegungsqualität.

Obiwankenobi war ein guter Lehrer.

Öfters mal „im Dunkeln“ trainieren.

 

Viel Spaß beim ausprobieren – Möge die kinästhetische Macht mit euch sein!

Coach Doro

PS.: Bitte den Selbstversuch im Get up nur, wenn ihr den Get up beherrscht und dann mit sehr wenig Gewicht!!!

 

 

 

 

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